Begabungsförderung

Gemeinsames Konzept der Schule an der Melanchthonstraße und der Oberschule Waller Ring zur Aufnahme in die Initiative zur Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler

Die Kollegien und Elternbeiräte der Oberschule Waller Ring und der Schule an der Melanchthonstraße begrüßen die Initiative zur Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler ausdrücklich. Mit der Umsetzung der Inklusion hat sich bei uns, wie an allen Schulen, für längere Zeit der Fokus auf die Schüler*innen verschoben, die besondere Unterstützung beim Lernen benötigen. Eine ebenso dringliche Aufgabe der Inklusion ist es, auch den Schüler*innen, die zu den stärkeren Lernern gehören, ein Angebot zu machen, dass es ihnen ermöglicht, ihre Begabungen voll zu entfalten. Beide Schulen tun dies selbstverständlich schon, wünschen sich jedoch eine schulformübergreifende, gemeinsame Konzeption zu einer gezielten Förderung dieser Zielgruppe. Diese würde die Möglichkeit bieten über eine solches Angebot im Stadtteil die Akzeptanz für die inklusive Arbeit vor Ort insbesondere auch bei bildungsnahen Familien weiter zu erhöhen sowie Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien zu ermöglichen, ihr Potenzial zu nutzen. Gerade in unserem Stadtteil Walle, in dem viele Kinder in problematischen familiären Verhältnissen aufwachsen und außerschulisch aus unterschiedlichen Gründen nur selten Förderung stattfindet, sehen wir einen besonderen Handlungsbedarf.

 

Regionale Zusammenarbeit

Die Schule an der Melanchthonstraße und die Oberschule Waller Ring blicken bereits auf eine längere, gewachsene Zusammenarbeit im Stadtteil in Bezug auf die Übergänge zurück. Allein schon bedingt durch die räumliche Nähe der Schulen gibt es jedes Jahr eine größere Gruppe von Kindern, die von der Melanchthonstraße an die Oberschule Waller Ring wechseln.

Beide Schulen arbeiten im Arbeitskreis der Grundschulen und weiterführenden Schulen in Walle zusammen. Durch diesen Arbeitskreis wurde in Walle ein Verfahren zum Übergang etabliert, das seit einigen Jahren regelmäßig stattfindet und sich sehr bewährt hat: Alle Klassenleitungen der 4. bzw. 5. Klassen aller  Grund- und weiterführenden Schulen im Stadtteil treffen sich zweimal jährlich. Beim ersten Treffen informieren die Grundschulkolleg*innen die Kolleg*innen der 5. Klassen über die Kinder, die an den Schulen aufgenommen werden. Im Herbst gibt es dann Feedbackgespräche darüber, wie die Schüler*innen in den 5. Klassen angekommen sind. Gegenseitige Hospitationen geben den Kolleg*innen einen Eindruck von der Arbeit der jeweils anderen Stufe.

Darüber hinaus gibt es bereits eine Arbeitsgemeinschaft Bildungsbiografien im Bremer Westen, der neben den beiden Schulen auch die KiTa Haferkamp und das ReBUZ West sowie Vertreter des Amts für Soziale Dienste und die zuständige Schulärztin angehören. In diesem Arbeitskreis werden Möglichkeiten der durchgängigen Begleitung vom Elementarbereich bis zum Ende der Schullaufbahn entwickelt. Ziel ist dabei, insbesondere Kinder und Jugendliche mit schwierigen Voraussetzungen möglichst gut durch die verschiedenen Bildungseinrichtungen zu geleiten und Brüche bei den Übergängen zu vermeiden.

Insofern stellt die Entwicklung eines Konzepts zur Förderung leistungsstarker Schüler*innen eine sinnvolle und notwendige Ergänzung dar. Dadurch, dass es bereits gewachsene Strukturen gibt, wäre es wünschenswert, diese zu nutzen und zum nächstmöglichen Zeitpunkt die KiTa Haferkamp ebenfalls einzubinden. Außerdem sehen wir es als dringend erforderlich an, dass auch die Oberstufe des SZ Walle an dem Projekt mit einbezogen wirdum so auch für leistungsstarke Schüler*innen Übergänge gut zu gestalten.

 

Ist-Stand

An beiden Schulen bestehen unabhängig voneinander Arbeitsformen, die das individualisierte Lernen der Schülerinnen und Schülern fördern und damit Chancen für Lernen auf einem anspruchsvollen Niveau bieten.

Beide Schulen eröffnen besonders leistungsstarken Schüler*innen die Möglichkeit, die Schule in kürzerer Zeit zu durchlaufen. Bei der Oberschule am Waller Ring geschieht dies durch das Angebot eines verkürzten Bildungsganges (Abitur nach 8 Jahren), an der Schule an der Melanchthonstraße ist das jahrgangsübergreifende Lernen eine Form, die das schnellere Durchlaufen der Schuleingangsphase eher ermöglicht als ein jahrgangshomogenes System.

Die Teilnahme an Wettbewerben, insbesondere im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich (Känguru, Mathe-Olympiade, Pangea, Jugend forscht) ist an beiden Schulen eine etablierte Form der Förderung besonderer Begabungen.

Das bilinguale Angebot der Oberschule Waller Ring ist weiterhin für Schüler*innen mit einer guten Sprachbegabung ein adäquates Förderangebot. Darüber hinaus haben die Schüler*innen die Möglichkeit, Französisch oder Latein als 2. Fremdsprache sowie Spanisch als 3. Fremdsprache zu wählen. Ebenso bietet die äußere Fachleistungsdifferenzierung Möglichkeiten zur Förderung leistungsstarker Schüler*innen. Diese erfolgt für Englisch und Mathe ab Klasse 7, für Deutsch ab Klasse 9. Ferner gibt es eine Fachleistungsdifferenzierung in Chemie und Physik ab Klasse 9.

 

Angedachte Vernetzung

In einem Vorgespräch mit Kolleg*innen beider Schulen hat sich unsere Vorstellung dahingehend entwickelt, dass im Rahmen des Projekts vordringlich eine gemeinsame Konzeption über individualisierende Lernformen entwickelt werden sollte, damit möglichst viele Schülerinnen und Schüler erreicht werden können. Dabei soll das Augenmerk nun insbesondere auch auf Angebote für stärkere Schülerinnen und Schüler gerichtet werden.

Wir möchten hierbei geeignete Aufgabenformate und Methoden entwickeln und miteinander abstimmen, die diesen Kindern und Jugendlichen eine Herausforderung bieten. Diese Aufgabenformate und Arbeitsweisen werden sie dann in der Grundschule kennen lernen und an der weiterführenden Schule weiter damit arbeiten.

Weiterhin ist einzelfallbezogen ein übergreifendes Arbeiten geplant, so dass Grundschüler*innen an Angeboten der weiterführenden Schule teilnehmen können bzw. auch ältere Schüler*innen ihre Arbeiten an der Grundschule präsentieren können (z.B. Teilnahme der Grundschüler*innen am English-Club, Wettbewerb „Jugend forscht – Schüler*innen experimentieren“).